29.10.05

Capoeira. Eine Einführung

Capoeira

Man unterscheidet zwischen:
1. Capoeira de Angola das traditionelle Capoeira, wo der man im Jogo von untern angreift und dem
2. Capoeira regional, das "moderne" Capoeria, das von Mestre (Meister) Bimba um 1930 erfunden worden ist, und wo beim Jogo von oben angegriffen wird.

Begriffe

Academia: Capoeira-Schulen.

Angoleiros: Anhänger der capoeria de Angola.

Baqueta: Holzstab mit dem das Berimbau gespielt wird.

Barracão: Versammlungsraum.

Cabaça / Cumbuca: Die als Resonator benutzte Kalebasse.

Chamada: Das Herbeirufen der capoeiristas im Kreis mit einem spezifischen Spiel auf dem Musikbogen.

Dobrão: (alte Kupfermünze im Wert von 40 réis) Münze mit der man die Länge der schwingenden Saite während des Spielens des Berimbaus verkürzt.

Dobrar: Verdoppeln des Rhythmus bei Spielen des Berimbaus.

Fitinha do Bonfim: Stoffbändchen von Bonfim, mit denen Berimbaus früher geschmückt wurden.

FundamentalGrundton des Berimbaus

Ginga: Wiegender Wechselschritt aus dem sich jede Bewegung und die golpes entwickeln.

Golpes: Schläge

Grimas: Schlagstöcke des "maculelê"

Gungas: Grosse Berimbaus

Jogo: Spiel

Ladainha: Einleitender Gesang des Gruppenleiters.

Maculelê: Stab- und Kampfspiel von der Gemeinde Santo Amaro. Sie dient als wichtige Vorbereitung der Jungen für die Capoeira.

Mestre: Meister und Gruppenleiter.

Roda-de-capoeria: Capoeira-Kreis.

Esquitim: Ein leichtes Berühren der schwingenden Saite mit dem "dobrão" verursacht einen Zwischenlaut den man "esquitim" nennt.

Berimbau

Mit Berimbau bezeichnet man im Portugiesischen
1. Maultrommel
2. Mundbogen afrikanischer Herkunft.
3. Kalebassenbogen "berimbau-de-barriga"

Der Ursprung des Wortes ist jedoch unklar.

Konstruktion des Berimbaus:

Das Beribau besteht aus einem ca. 1.5 m langen Bogen, der aus dem Gobiraba-Baumes hergestellt wird. Es werden aber auch andere Holzarten verwendet. Die Saite des Bogens ist aus Stahldraht, der an beiden Enden der Stange auf zwei verschiedene Weisen befestigt ist. Am oberen Ende des Bogens läuft die Saite über ein rundes Stück dicken Leders, um den Klang zu verbessern und und um das Holz vor dem Spalten durch Überdruck zu bewahren. Am unteren Ende wird ein kurzer Stift als Verlängerung geschnitzt um den sich eine Drahtschlaufe legt. An keinem der beiden Enden ist der Draht fest an den Bogen geknotet. Wenn das Instrument nicht gespielt ist, entlastet man es, indem man den Resonator entfernt und das obere Drahtende befreit.

Die Ideal-Länge des Berimbaus sollte sieben Handbreiten ("palmos") betragen.
Der Grundton, "fundamental", hängt vom Befestigungsort des Resonators an den Bogen ab.
Wichtig: Der Bogen wird von den Männern bespannt, die Suche nach dem Kürbis zur Herstellung des Resonzkorpus ist Aufgabe der Frau.

Caxixi

Geflochtene Gefässrassel, das aus einem geschlossenem Körbchen mit angeflochtenem Henkel besteht, das Samen, Steinchen, oder Muscheln enthält.

Wichtig: Das Caxixi wird von der Frau hergestellt. Das Caxixi wird als Ergänzung zum Berimbau gesehen. Das paarhafte Verständnis des Berimbaus und des Caxixis spiegelt sich also schon bei der Produktion nieder.

Toques

Toque stammt vom Portugiesischen "tocar", was berühren, spielen, bedeutet.
Als Toque werden die verschiedenen rhythmisch-melodischen Muster bezeichnet, die der Musiker beim Spielen des Berimbaus selbst kategorisiert. Berücksichtigt wird die vertikale und die horizontale Komponente zu Definition des "toque de berimbau." Toque kann man als Bausteine der Musik verstehen, die nach bestimmten Regeln zusammengefasst werden.

Man unterscheidet folgende Toques: Angola, Angolinha, São Bento Grande, São Bento Pequeno, Santa Maria, Iùna und Cavalaria.

Zu den historischen Toques gehören die Toque de Popò und die Toque de Besouro e de Popò.

Ein Ensemble besteht aus zwei Berimbau, Atabaque, Pandeiro, Tamborim, Reco-Reco und Agogô. Der zweite Berimbau-Spieler gibt den Grundschlag, die "marcação" an, während, der Leiter die Toques variiert, verdoppeln ("dobrar").

Regeln des Jogo

1. Verstehen was der Gegner intendiert
2. Gegenseitiger Respekt
3. Vertrauen darin, dass man in einem Capoeira-Kreis keinen hinterhältigen und offensiven Schlag ausgesetzt ist.

Folgende Elemente charakterisieren die Capoeira:

Das Spiel ist das Wesen der Capoeira, der Tanz beinhaltet das spielerische Element und drückt sich in der Ginga aus. Die Akrobatik beinhaltet sowohl die spielerischen wie tänzerischen Elemente und der Kampf beinhaltet alle drei Kategorien: Spiel, Tanz und Akrobatik.

Der Musikalischer Ablauf kann auf verschiedene Art und Weise stattfinden und je nach Gegend und Schule verschieden sein.

Beispiel Angola: Nachdem vom Berimbau und den Perkussionen das Angola-Pattern gespielt wird, beginnt der Vorsänger nach seinem Ruf mit dem einleitenden Gesang, der Ladainha, dem ein paar Lieder im Toque de Angola folgen. Danach kann man das Pattern durch ein schnelleres, z.B. dem São Bento Grande ablösen. Als Abschlusslied wird eine Samba gesungen das von einem kurzen Nachspiel abgelöst wird, das durch die charakteristische Abschlussformel des Berimbaus beendet wird.

Jolanda
Okt 2004