30.10.05

Zeremonialmusik in Melanesien: Magische Gesänge

Definition von Magie

Magie stammt vom Griechischen "mageia" und "magos", was ein persischer Weise bedeutete. Ein Magier war urprünglich ein Angehöriger einer mächtigen Priesterklasse bei den Persern und Medern, bekannt für ihre Stern- und Traumdeutkunst.
Magie ist die Wissenschaft und Kunst veränderter Bewusstseinzustände (wie z.B. Trance, nicht zu verwechseln mit Volltrance oder Drogeneinnahme. Darüber mehr später) in Einklang mit dem Willen Veränderungen einzuführen. Sie versucht das innere oder äussere Sein durch übernatürliche, mystische und paranormale Mittel zu verändern.

Magischer Akt = Wille + Imagination + Trance-Techniken.

Heute bezeichnet ein magischer Akt auch ein mystischer Weg zur Spiritualität.

Begriff der Magie verändert sich im Verlauf der Geschichte und die Definition ist von Epoche zu Epoche anders. Im Mittelalter unterschied man zwischen die göttliche "magia naturalis" und der teuflischen Magie.
Heute unterscheidet man zwischen schwarze Magie, die alles beinhaltet was mit zerstören, beschmutzen, verschleiern, trennen, Disharmonie verschaffen, usw. zu tun hat. Weisse Magie hingegen befasst sich mit alles was mit heilen, aufklären, wärmen, reinigen, denken und fühlen zu tun hat.

Es gibt drei Erklärungsmodelle der Magie: Geistermodell, Energiemodell, psychologische Modell
Geistermodell sagt, dass es ausserhalb des Magiers existierende Wesenheiten gibt, mit dem er Kontakt aufnehmen kann. Diese kann er als Freunde gewinnen oder als Diener unterwerfen. Der Magier ist ein Vermittler zwischen Diesseits und der Anderswelt.
Das Energiemodell sagt, dass der Magier ein Energiekünstler ist, er beschwört keine Geistern und Götter wie im Geistermodell.
Das psychologische Modell sagt, dass alle Ausübung und Tätigkeit des Magiers in der Psyche stattfindet. Es ist eine Technik der Psyche, den eigenen Geist selbst zu manipulieren, so dass er in Übereinstimmung mit dem Willen arbeitet.


Musik und veränderte Bewusstseinzustände

Veränderte Bewusstseinzustände sind menschliche Phänomene, die summarisch mit Trance bezeichnet werden. Man unterscheided zwischen in der Religion instutionalisiert, spontaner, säkular unduzierter Trance. Ferner zwischen Besessenheit und Extase.

Trance: Veränderte Bewusstseinzustände sind menschliche Phänomene, die summarisch mit Trance bezeichnet werden.

Besessenheit: Zustand bei dem das Ich einer Person erlebnismässig von einer übernatürlichen Macht oder einem Geist besetzt oder ausgelöscht wir, so dass der Geist oder die übernatürliche Macht die Stelle der Ichs einnimmt. Der Mensch wird zum Medium.

Extase: Übersteigerter psychischer Ausnahmezustand jenseits der Bewusstseinskontrolle. Ein Zustand des Aussersichseins, das von Göttern oder Dämonen bewirkt sein kann. Oft künstlich erzeugter Zustand.


Unterschied zwischen Ekstase und Trance[Rösing: 601]

Ekstase

Unbeweglichkeit
Stille
Einsamkeit
Ohne Krise
Sensorische Deprivation
Erinnerung
Halluzination

Trance

Bewegung
Lärm
In Gemeinschaft
Krise
Sensorische Überstimulierung
Amnesie
Keine Halluzinationen

Trance und Extase finden nicht nur in Naturvölker statt, sondern auch in gegenwärtigen Kulturen, wie bei der Pizzica und der Tarantella in Italien, auch wenn im Abendland sie von der Kirche verpönt wurden. Bestimmte Formen der Bewusstseinsveränderung werden als normal angesehen und in religiöse Kulte integriert: Die Araber z.B unterscheiden zwischen "wajd" (Trance) und "tarab" (musikalische Emotion als profane Ekstase)

Besessenheit verlangt grössere Bewusstheit der Umwelt und Körperkoordination, da man in diesem Zustand den Geist darstellen muss. Sie findet häufig im Rahmen von Zeremonien statt. Die Ritualen bestehen aus mechanisch widerholten Bewegungen und Sprechformeln. Die wesentliche Funktion ist die nonverbale erlebte kosmische Ordnung. Man unterscheiden zwischen der zu exorzierenden Obsession und der nicht zu exorzierenden Possession.

Musikalisch ist bei Ekstase extrem konstantes Tempo, während bei Besessenheit kontinuierliche Steigerung des Tempos und/oder der Lautstärke zu beobachten.

Im Umfeld vom Pazifik, Afrika sowie Orient gilt die Melodiefindung als von übernatürlichen Wesen eingegeben und nicht als bewusste oder gewollte kreative Leistung eines Individuums. Der Betroffene versteht sich als Medium eines übernatürlichen Wesens, dem in einem besonderen Erlebnis eine Melodie eingegeben wurde.

Die Salomonen

Der Name stammt vom König Salomon, Sohn Davids und der 3. König von Israel und Juda. Er herrschete von 965 v. Chr. bis 926 v. Chr. Er war berühmt, dass er sein Reich gegenüber andere Kulturen und Religionen öffnete.
Der Name Salomonen bezeichnet:
1.) eine pazifische Inselgruppe
2.) Der Staat Salomonen mit der Hauptstadt Haniara. Er besteht aus 6 grosse Inseln: Guadalcanal, New Georgia, Malaita, Isabel, Choiseul, San Christobal und ca. 992 weitere Inseln und Atollen.
Die Salomonen wurden 1568 vom spanischen Entdecker und Seefahrer Alvaro de Mandaña de Neyra enteckt. Er nannte sie Salomonen, weil er grosse Mengen Gold vermutete. Fast 200 nach der Entdeckungen wurden sie "verloren" gegangen und nicht mehr auf den Karten eingetragent. 1767 wurden sie von Philipp Carteret "wiederentdeckt". 1883 wurden die Inseln von den Engländern besetzt und erst 1978 erreichten sie ihre Unabhängigkeit.
Die Salomonen sind die ärmsten Staaten Ozeaniens.

Malaita und die Are'are

Es gibt etwa Elftausend Einwohner im südlichen Teil von Malaita und weitere zweitausend auf den anderen Inseln. Areare ist die zweitgrösste Sprachgruppe auf den Salomonen nach Kwaro.
Es gibt eine Homepage der Are'are Gruppe: www.groups.com/AreAre. Auf dieser Homepage ist ein Versuch über die Zusammenstellung einer Musiktheorie von Hugo Zemp zu lesen. Das Wort "aahoa" bezeichnet eine visuelle messbare Distanz sowie die Tonhöhe. Sie haben auch den Begriff der Oktave, die sie "suri 'outer" oder "aano suri" nennen.

Die Are'are haben vier Konzepte für Musik:

1.) "Au", was übersetzt Bambus bedeutet. Er ist ein Oberbegriff, der alle Instrumente bezeichnet, die aus Bambus hergestellt sind.
2.) "'O'o", das sind Idiophone, die benützt werden, um Botschaften zu senden oder an Festen zu spielen.
3.) "Kiro ni karusi", das sind Wasserspiele, wobei die Frauen mit den Händen rhyhtmisch auf das Wasser klatschen.
4.) "Nuuha", sind Gesänge. Hugo Zemp unterscheidet drei Arten von Gesängen bei den Frauen und vier Arten bei den Männern.

Frauengesänge bestehen aus Klage- und Schlaflieder sowie, Lieder, die Gefühle für einen Mann ausdrücken.
Die "Nuuha ni mane", Männerlieder, haben rituelle Ziele, oft dienen sie zum Wahrsagen. Die Lieder bestehen aus einer Fünftonskala, die keine Halbtöne hat. Die Lieder sind meistens Polyphon, bestehen aus zwei Stimmen. Die erste Stimme singt die Wörter, die zweite summt dazu.

Bei einer Wahrsage-Sitzung trifft man sich in einem Haus, wo alle Lichter gelöscht sind. Den Frauen ist es nicht erlaubt, teilzunehmen. Solche Sitzung kann eine ganze Nacht dauern. Der Wahrsager und der erste Assistent singen zwei Partien, die sogenannten "kana" und "aape". Das Wort "kana" hat mehrere Bedeutungen. Er wird als allgemeiner Begriff für Lied gebraucht, im engeren Sinne bedeutet er "divinatory song" (Wahrsagelied). Zudem bezeichnet er die Hauptstimme des Liedes. Der zweite Mann stöhnt und ächzt ("nunuha") peridosch dazwischen. Der Wahrsager mit seinem ersten und zweiten Assistentes schlagen einen Rhyhtmus mit Hilfe eines Jagdstockes oder eines Schiessbogens. Die Lieder und die Rhythmen rufen gestorbene Ahnen hervor, die sich dem Wahrsager offenbaren. Die Sitzung besteht aus musikalischen Sequenzen, die etwa je zehn Minuten dauern. Nach jeder Sequenz diskutiert die versammelte Gruppe.
Ein "kana" wird durchgeführt, um eine Diagnose über die Krankheiten eines Stammesangehörigen zu erhalten, aber auch um ein geeignetes Datum für einen Feiertag festzulegen.


Literatur

Rösing, Helmut: Musikpsychologie. Ein Handbuch, Hamburg 2002

CD

Iles Salomon. Musiques intimes et rituelles Are'are von Hugo Zemp.

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