6.11.05

Bela Bartok

Biographie (fokussiert vor allem auf sein Schaffen im musikethnologischen Bereich)

Bela Bartok wurde am 25 März 1881 in Nagyszenemiklos (damals Ungarn, jetzt Sinnicolau Mare, Rumänien) geboren. Der Vater, der ebenfalls Bela (1855-1888) hiess, war Direktor einer Landwirtschaftschule und ein begabter Amateurmusiker: Er spielte Klavier und Violoncello, komponierte gelegentlich kurze Klavierstücke und gründete ein Laienorchester. Die Mutter Paula Voit (1857-1939) war Lehrerin, hatte aber eine gründliche Musikausbildung genossen. Sie spielte eine grosse Rolle bei der musikalischen Entwicklung ihres Sohnes; dem erteilte sie den ersten Klavierunterricht und half ihm, seine ersten Kompositionen niederzuschreiben. Nach dem frühzeitigen Tod ihres Mannes zog sie in verschiedene Städte von Ungarn, um einen gute Lehrer für ihren Sohn zu suchen.

Seine wichtigsten Lehrer waren: Laszlo Erkel, der seine Technik verbesserte und ihn das klassische deutsche Repertoire spielen liess. Anton Hyrtl, der ihm Harmonielehre beibrachte. Der Liszt-Schüler Thommàn, der ihn an der Akademie in Budapest von September 1899 bis Juni 1903 unterrichtete.

Ab 1906 gewann das Sammeln und das Studium der Bauernmusik zunehmend an Bedeutung.
Seine ersten Volksmusikbearbeitungen wurden im Dezember desselben Jahres in Zusammenarbeit mit seinem Freund Zoltan Kodaly unter dem Titel "Ungarische Volkslieder" herausgegeben.
Im Januar 1907 erhielt Bartok das Angebot, an der budapester Liszt-Akademie (wo er selbst studiert hatte) die Stelle als Professor für Klavier, die bis dahin von Thommàn, ein ehemaliger Schüler von Liszt und Bartoks ehemaliger Lehrer, besetzt war, zu übernehmen.
Diese Stelle beinflusste seinen Lebensstil stark. Parallel zu seinem Beruf betrieb er während den Schulferien intensive Feldforschung. Zu Hause transkribierte und klassifizierte er das gesammelte Material, studierte musikethnologische Veröffentlichungen und lernte Sprachen.
Man rechnet, dass er bis 1918, also in einem Zeitrahmen von etwa 12 Jahren, etwa 10 000 Melodien (ungarische, rumänische, slovakische, ruthenische, serbische und bulgarische Melodien) gesammelt hatte, sowie etwa 100 Melodien von arabischen Beduinen, die er bei seiner Reise 1913 aufgenommen hatte.
Während des Ersten Weltkrieges sah er sich gezwungen, die Feldforschung aufzugeben, nutzte jedoch diese Zeit, um Transkriptionen zu vollenden sowie um musikethnologische Publikationen herauszugegen. Darunter befinden sich die 1913 erschienene "Bihor"-Sammlung, sowie die Gesamtausgabe der ungarische Volsmusik "Egyeteme Gyujtemeny" in Zusammenarbeit mit Kodaly.

1936 unternahm er seine letzte Forschungsreise nach Anatolien. In dieser Zeit schrieb er einer seiner wichtigsten Aufsätze: "Die Volksmusik der Magyaren und der benachbarten Völker". Zudem arbeitete er an seiner Sammlung rumänischer Volksmusik, besuchte Kongresse und hielt zahlreiche Vorlesungen über Volksmusik.

Der Anschluss Oesterreichs an Deutschland durch Hitler im Jahre 1938 sowie der Tod seiner Mutter am 19. Dezember 1939, veranlassten Bartok Ungarn zu verlassen, obwohl er weder politisch noch rassistisch verfolgt wurde. Er unternahm deshalb im April und Mai 1940 eine Orientierungsreise durch die USA, um sich dann ab dem 20. Oktober 1940 (ungeplanterweise) in New York niederzulassen.
Von März 1941 bis Ende 1942 wurde er an der Columbia University engagiert, die ihm im November 1940 die Ehrendoktorwürde verliehen hatte, und wo er an der Transkription serbokroatischer epischer Gesänge und Volkslieder arbeitete.
Parallel zu Engagements an verschiedene Universitäten bereitete er die dreibändige Ausgabe der "Rumanian Folk Music", beendete das Buch "Turkish Folk Music from Asia Minor" und revidierte Kompositionen für Neuausgaben.

Ab April 1942 verschlechterte sich seine Gesundheit allmählich: Er litt an Fieber und Bursitis in der linken Schulter. Wie sich herausstellen sollte, hatte Bartok Leukämie.
Bartok starb am 26. September 1945 im Alter von 64 Jahren. Seine sterbliche Überresten wurden 1988 nach Budapest überführt.