2.11.05

Die Zwölftontechnik

Mit dem Begriff Zwölftontechnik (auch Dodekaphonie gennant), fasst man jene musikalische Werke zusammen, die um 1920 von Josef Matthias Hauer (1883-1959) und Arnold Schönberg (1874-1951) komponiert wurden. Bei Hauer spricht man von der "Zwölftontechnik", bei Schönberg von der Komposition mit "zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen." Schönberg verwendete diese Methode erstmals in den Klavierstücken op. 23, Nr. 3 und 5 sowie in der Suite für Klavier op. 25.
Bei beiden Kompositionsmethoden ist die gleichschwebend temperierte Stimmung Voraussetzung, wobei ihr Stufensystem zugunsten der Chromatisierung aufgegeben wird. In der Zwölftontechnik werden die Bildung von tonalen Zentren vollständig vermieden (Atonalität) und alle Töne stehen gleichberechtigt nebeneinander. Das Tonmaterial ist vollständig chromatisiert und die Dissonanz wird ebenfalls der Konsonanz gleichgestellt.
Die Zwölftontechnik von Hauer basiert auf „Tropen“ (nicht mit denen aus dem Mittelalter gleichzusetzen), die aus Kombinationen von je 2 X 6 Tönen gebildet werden, woraus 44 Tonreihen entstehen. Innerhalb der „Tropenhälfte“ sind Tonhöhe und die Folge der Töne unwichtig. Die verschiedenen Bausteine werden aneinandergefügt, der Tonsatz wird dann ausgearbeitet. Die gewählte Zwölftonfolge wird vierstimmig harmonisiert. Es wird auf überraschende harmonische Wendungen sowie auf Akzentuierung der Einzelstimmen verzichtet. Auf dem ersten Ton wird ein Dur oder ein übermässiger Dreiklang mit grosser Septime errichtet. Dieser Klang ist in vier Schichten eingeteilt. Wenn der Grundklang f-a-c-e ist, bewegen sich die Stimmen in folgenden Bereichen: f/fis/g, as/a/b, h/c/cis und d/eb/e. Die Anschliessende Akkordfolge wird ermittelt, indem drei der vier Stimmen liegen bleiben, so dass ein harmonisches Band ergibt, wie es Hauer nennt. Dieses Band kann auch rückwärts gespielt werden, so dass ein Akkordkrebs und eine neue Zwölftonfolge entstehen.

Die Kompositionstechnik von Schönberg basiert auf Reihen, woraus drei weitere Unterformen, die durch Spiegelung, Umkehrung und Krebs gewonnen werden. Es entstehen somit vier Grundreihen, die auf allen Stufen der chromatischen Skala beginnen und die zusammen 48 Reihen ergeben. Der Komponist wählt aus dieses Material Reihen aus, wobei die Anordnung beliebig ist. Die Grundreihe entspricht einem Motiv. Die Reihe bezeichnet nur Tonqualitäten und wird als solche nicht geändert. Weder Tonhöhen noch Intervalle werden festgelegt. Die Tonbeziehung c-a kann z.B. sowohl als grosse Sext, kleine Terz oder als deren Oktavierung verstanden werden. Dementsprechend entstehen die Harmonien von der Vereinigung von Tönen durch die Anordung dieser Töne geregelt.
Schönbergs Schüler Alban Berg (1885-1935) und Anton von Webern (1883-1945) haben die Zwölftontechnik auf verschiedener Weise weiterentwickelt. Nach 1945 war diese Technik international verbreitet und ging mit Ernst Krenek (1900-1991) zur Seriellen Musik über. Im Jazz blieb die Zwölftonmusik von sekundärer Bedeutung fand aber Eingang im Free Jazz und Third Stream Music.