6.11.05

Samba. Das Wichtigste in Kürze.

Der Begriff Samba taucht erstmals schriftlich im Jahr 1838 in Brasilien auf. Im 20. Jahrhundert ersetzt "samba" den Begriff "batuque". Die Herkunft des Wortes Samba ist trotz der verbreiteten Annahme seiner Verwandschaft mit dem afrikanischen Wort "semba" ( oder je nach afrikanische Region „esemba“, „olisemba“, „disemba“, „masemba“) nicht gesichert.

Der brasilianische Karneval ist dem portugisieschen „entrudo“ verwurzelt, der im 16. Jahrhundert. In den portugisieschen Kolonien Brasiliens eingeführt wurde. Dabei erzählen die Chroniken, dass man sich gegenseitig oder den Passanten Flüssigeiten, Mehl, oder sogar Dreck warf.

„Pelo Telefone“ von Ernesto Santos (Donga) war die erste Samba, die auf Tonband aufgenommen wurde. Es war das Jahr 1917.

Die erste Sambaschule hiess „Deixa Falar“ (lass sie reden) und wurde 1928 gegründet. Zu den wichtigen Sambaschulen gehören weiter „Estação Primeira de Mangueira“ (1929 gegründet) und „Portela“ (1935 gegründet).

Zu den wichtigsten Komponisten der urbanen Samba zwichen 1920 - 1930 zählen: José Barbosa da Silva (Sinhô), Noel Rosa, Alfredo da Rocha Viana (Pixinguinha), Ary Barroso, Lamartine Babo João de Barros und Ataulfo Alves.


Abhängig von der Region, wird die Samba verschieden genannt und kommt in vielen Variationen vor:

Amazonien: Mão-de-samba (in Amapà), zimba, batuque.

Bahia: Samba-de-caboclo, samba-de-chula, samba-de-roda, samba-de-terreiro, samba-de-viola.

Pernambuco: Coco-de-roda.

São Paulo: Samba rural, samba-de-porfia.

Rio de Janeiro: Samba-de-enredo, samba-de-breque, samba-de partido-alto, samba- canção, samba-de-terreiro, jongo, batucada.

Zu anderen wichtigen Sambaformen gehören: Pagode, Batucada, Samba-Reggae und Bossa Nova.


Im Zusammenspiel unterscheidet man drei Ebenen:

1. Elementarpuls-Ebene

Die Abfolge der Elementarpulse stellt ein rhythmisches Bezugsschema dar. Oft ist das rhythmische Schema jedoch innerlich und unbewusst.
Ausführende Instrumente: „Prato e faca“ (alter Metallteller, der von einem Messer gerieben wird) sowie Pandeiro.

2. Time-Line-Ebene („linha ritmica“)

Besteht aus einer zyklisch wiederholten asymmetrischen Schlagfolge.
Ausführende Instrumente: Agogô, Flasche, Klatschen, Korpus einer Trommel.

3. Beat-Ebene („marcação“)

Die „marcação“ besteht aus Beat und Offbeat, die Sambamusiker sprechen von Frage („pergunta“) und Antwort („resposta“). Ausführende Instrumente: Timbal, Atabaque.

Weitere Ebenen sind wichtig:

4. Die Fluktuation rhythmischer Motive

Rhythmische Verläufe des Samba sind häufig in eurpäischer Notenschrift nicht festzuhalten. Dies hat damit zu tun, dass Musiker einem musikalisch, innenwohnenden Fluss folgen, der nicht sinnlich wahrnehmbar ist.

5. Die Klangfarbenmelodien

Verschiedene Spieltechniken ermöglichen eine grosse Palette von Klängen bei den Perkussionsinstrumenten.

6. Bewegung als Bestandteil

Dem Sambista scheint die Vorstellung von den verschiedenen Notenlängen fremd. Vielmehr basiert die Sambatechnik auf einer Vielfalt von Aktionseinheiten: Unterschiedlich gesetzten Schlägen, Hin- und Herbewegungen, Auf- und Abbewegeungen usw., nach dem Motto: Bewegungen produzieren Klang.


Vorbereitungskalender der Sambaschulen

Die Vorbereitungen in einer Sambaschule verlaufen nach einem festgelegten Kalender, der wie folgt aussieht:

März/April: Der Vorstand der „escolas“ beginnt mit den Vorbereitungen für den Umzug.

Mai/Juni/ Juli: Auswahl eines Themas, dem „enredo“. Der „carnavalesco“ stellt die Modelle der grossen allegorischen Wagen sowie die Zeichnungen der Kostüme vor.

August: Verschiedene samba-Lieder („samba-enredo“) werden für die Endauswahl ausgesucht.

September: Die ersten grösseren Arbeiten an Eisengerüsten für die Wagen finden statt.

Oktober: Die Auswahl des „samba-enredo“ erfolgt in einem Wettbewerb auf dem Probenplatz, dem „quadra“ der „escola-de-samba.“

November: Schriner- und Modellierarbeiten werden an den Wagen vorgenommen.

Dezember: Konfektion der Kostüme und Feinarbeiten an den allegorischen Wagen.

Januar: Zweimal pro Woche wird auf der „quadra“ geprobt. Die einzelnen „alas“ Proben auch auf der Strasse.

Februar: Letzte Vorbereitungen werden abgeschlossen, und der Umzug findet statt.


Vokabular

Ala: Als „ala“ bezeichnet man die um die allegorischen Wagen herum mitlaufenden oder tanzenden "Flügelgruppen". Es können bis zu 32 solcher Gruppierungen geformt werden. Jede „ala“ beschreibt seinen Aspekt des Themas.

Balanço: Swing/Groove der Samba-Patterns.

Baducca oder Batuca: Alte Begriffe für afrikanische Tänze.

Bateria de samba: Gruppe der Perkussionisten.

Carros alegórigos: Die Umzugswagen.

Jogo do bicho: Eine Art (illegale) Klassenlotterie, die durch eine weitverzweigtes Netz von "Bankhäusern" und Verkaufsbuden und Strassenverkäufern ihre Coupons unter das Volk bringt. Damit wird an der Finanzeirung des Karnevalsspektakels beigetragen.

Mestre-sala: Zeremonien-Meister.

Pernada-carioca: Eine Sambavariante der Gegend von Rio de Janeiro (Folkversion).

Sambódromo: "Strasse der Samba", die sich im Stadtteil Estácio befindet. Sie wurden im Jahre 1984 vom Architekt Oscar Niemeyer, dem Erbauer Brasilia, fertiggestellt. Diese 500 m lange und 13 m breite Strasse mündet bei der Praça da Apotéose.

Samba-de-breque: Samba mit gesprochenen "Breaks" in den Kadenzen.

Samba-de-lenço: Eine regionale Variante des Samba.

Samba-de-matuto: Eine regionale Variante des Samba.

Samba-pagode: Im Pagode-Ensemble kommt jedes Instrument nur einmal vor. Die verwendeten Instrumente sind: Repinique-de-mão, Rassel, Reco-Reco, Pandeiro, Cuica, Surdo-Trommel und Cavaquinho.
Die Pagode-Bewegung in sich wurde 1970 von der Arbeiterklasse als Protest gegen die weitaus kommerzielle und Touristen-adaptierte Sambas, die in Verbindung mit den Sambschulen standen.

Samba-reggae: Hat sich um 1980 in Bahia, vor allem in der Hauptstadt Salvador durch den Einfluss der jamaikanischen Popmusik entwickelt. Die berühmteste Gruppe ist die „Olodum.“