3.2.06

Art Tatum

Biographie

Art Tatum wurde am 13. Oktober 1909 in Toledo, Ohio, geboren. Er war von Geburt an auf einem Auge ganz, auf dem anderen fast blind. Daher besuchte er die Blindenschule in Columbus, Ohio. Er studierte Klavier bei Overton G. Rainy und lernte mit Hilfe von Brillen und der Braille-Schrift Musik zu lesen. Er spielte auch Violine, Gitarre sowie das Akkordeon und war schon sehr früh ein begnadeter Musiker. Seine musikalischen Vorbilder waren Fats Waller und der Radiopianist Lee Sims. 1943 gründete er nach Vorbild von Nat „King“ Cole sein eigenes Trio mit dem Bassisten Siam Stewart und dem Gitarristen Tiny Grimes. 1947 wirkte er mit im Film „The Fabulous Dorseys“.
Art Tatum spielte in verschiedenen namhaften Clubs wie: New York: Three Deuces (1944, 1945), The Downbeat Club (1945, 1946, 1947), Famous Door (1947), Café society (1949-50), Ember (1951); Los Angeles: Billy Berg (1946), Surf (1950).

Ab 1953 begann die Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten Norman Granz. Aus dieser Zusammarbeit entstanden wichtige Aufnahmen mit Benny Carter (as), Roy Eldridge (tp), Lionel Hampton (vb), Ben Webster (ts) und Jo Jones (dr). Zudem entstanden im Verlauf seiner Karriere über 120 Aufnahmen als Solist. Tatum tourte bis einigen Wochen vor seinem Tod. Am 5. November 1956 starb er an einem Nierenversagen.


Musikalischer Stil

„The New Grove Dictionary of Jazz“ beschreibt die Kunst von Art Tatum wie folgt:

- elaboration of the original harmonies of a tune
- use of complex passing harmonies and voicings
- contrapunctual relationships among lines in different registers
- superb technical skills, rhythmic solidity and security
- embrace of the full range of the keyboard
- application of different variation techniques simultaneously
- rhythmic and harmonic intensification of a tune
- extension and variation of the melody
- use of stride and swing keyboard traditions
- control of nuance in the finest details

Tatum spielte meistens Standards aus dem klassischen Jazzrepertoire. Auch Blues und klassische Stücke gehörten dazu. Anscheinend hatte er zwei musikalische Gesichter: In der Öffentlichkeit war er ein professioneller Businessman, spielte haargenau seine Aufnahmen, im Aufnahmestudio spielte er meistens nur einen „take“. Privat spielte und sang er Blues für die Freunde, konnte stundenlang improvisieren, von einer beliebigen Akkordfolge ausgehend. Legendär war seine Fähigkeit, ohne Schlaf mehrere Tage und Nächte hintereinander zu arbeiten.

Literatur:
Art Tatum, in: Jazz Lexikon, hrsg. von Martin Kunzler, Band II, Sp. 1323-1325, Hamburg 2002
Art Tatum, in: The New Grove Dictionary of Jazz, hrsg. von Barry Kernfeld, 2. Ausgabe, Bd.. III, S. 715-718