5.3.06

Der Choro

„Choro“ hat in der brasilianischen populären Musik mehrere Bedeutungen. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um instrumentale Musik, kann aber auch gesungen werden.

Choro als einen bestimmten Stil des Spielens, also noch nicht als musikalisches Genre, war bereits um 1870 sehr verbreitet. Mit "chorões" werden Ensembles bezeichnet, die um 1870 in RIO DE JANEIRO entstanden sind. Einer der frühsten und bekannten "chorões" wurde vom Flötisten Joaquim Antônio da Silva Callado (1848-1880) gegründet.
Der Choro entwickelte sich aus der Interpretation volkstümlicher Polkas, welche seit 1844 in Brasilien sehr beliebt waren. Die „cavaquinho“-Spieler (kleine, viersaitige Gitarre) lernten diese Polkas meist aus dem Gehör. Danach führten sie das gelernte Stück dem Gitarristen vor und unterstützten ihn in den modulatorischen Passagen. Aus diesen Passagen entwickelten diese Instrumentalisten Übungen, die sich dann mit der Zeit zu Fingerspiele weiterentwickelten. Durch diese Übungen entstanden dann auch die fixe modulatorische Schemen, die beim Chorinho typisch sind. Aus dem Bordun erfolgte die Modulation meist in die tieferen Tonarten, so dass melancholische Melodien entstanden. Daraus soll der Begriff „choro“ entstanden sein, aus dem „Weinen“ der Melodien.

Joaquim Antônio Calado Jr. (1848-1880) ist der erste grosse herausragende Flötist, der als wichtigster Gründer des Choro gilt. Er entwickelte die kleine Ensemble-Formation mit einem Solisten, zwei Gitarren und einem Cavaquinho.
Seine Gruppe wurde als „Choro de Calado“ (der Choro von Calado) bekannt. Nach seinem Tod, übernahm die neue Generation, unter anderem auch die Pianistin und Komponistin Chiquinha Gonzaga (1847-1935) sein Erbe und entwickelte es weiter.

Ab 1880 nahm der Choro an Bedeutung zu. Die Choro-Ensembles wurden meist für Tanzanlässe in den ärmeren Vierteln während der ganzen Nacht engagiert. Aus diesen Grund hatte der Chorinho bis in den 1930er Jahren einen schlechten Ruf.

Im Allgemeinen bezeichnet Choro ein städtisches Instrumental-Ensemble, bei dem ein Mitglied der Gruppe Solist ist. In der Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand eine typische Besetzung aus Cavaquinho, Flöte, Klarinette, Posaune, Gitarre sowie Perkussionen (Pandeiro und Tamborim sowie "prato e faca", einen Metallteller, der von einem Messer rhythmisch gerieben wird).

Im 20. Jahrhundert verband man den Begriff Choro mit anderen städtischen Tänzen von Brasilien wie Maxixe, Tango brasileiro und Samba. Ein wichtiger gemeinsamer Grundzug dieser Tänze ist der synkopierte binäre Rhyhtmus. Im weiteren unterscheiden sich diese Tänze vor allem in der Instrumental-Besetzung.

In den 1930er und 1940er Jahren trat die "Velha Guarda" hervor, dessen Leader, Flötist, Saxophonist und Komponist Alfredo da Rocha Viana, heute vor allem als "Pixinguinha" bekannt, neue Wege in der Improvisation und in der Variation beim Choro einführte.